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Grundsätzliches

Ein wichtiger Bestandteil der ev. Kinder- und Jugendarbeit ist die Offene / Sozialdiakonische Kinder- und Jugendarbeit.
Ziel der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist, sie zur Selbstachtung und Wertschätzung der eigenen Person sowie zu neuen und guten Erfahrungen menschlicher Gemeinschaft zu führen. Der Weg dahin führt oft zunächst über die direkte Absicherung ihrer Grundbedürfnisse. Das soll ihnen helfen, den Alltag zu bestehen und ihn in den Grenzen der Realität selbst zu gestalten.
Die Kinder und Jugendlichen sollen Mut bekommen, sich selbst zu entdecken und zu bejahen, sich eine Vision für eine gute Zukunft zu entwerfen. Sie sollen entscheidungs- und handlungsfähig für das eigene Leben werden, indem sie durchführbare und hoffnungsweckende Pläne entwickeln. Im Lernen und in gegenseitiger Achtung und Anerkennung mit anderen Menschen, sollen sie ihr Leben gestalten, um für sich und andere Verantwortung zu übernehmen.
Die Arbeit findet ihre theologische Begründung in der bedingungslosen Annahme des Menschen durch Gott und wird von dem Leitgedanken getragen: Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes und hat die gleiche Würde. Er hat ein Recht zu leben und geliebt zu werden. Den eigenen Wert kann ein Mensch erkennen, wenn er mit seinen Erfahrungen, seiner momentanen Situation und seinen Bedürfnissen Raum, Zeit und Menschen findet, die ihn ernst nehmen und mit denen er Perspektiven entwickelt.
Kreis-, Landes-, und EKD-Synoden haben in unterschiedlichen Erklärungen davon gesprochen, dass Sozialdiakonische Kinder- und Jugendarbeit eine "wesentliche Lebensäußerung kirchlicher Arbeit"1 ist. Im Oktober 1992 beschloss der Rat der EKD: "... die Gliedkirchen und Gemeinden (zu bitten), die Sozialdiakonische Arbeit, insbesondere auch die Offene Jugendarbeit, zu fördern ..."2

Das sozialdiakonische Profil der Arbeit zeigt sich:

Träger der Arbeit sind meist Kirchengemeinden oder Kirchenkreise in einigen Fällen auch Vereine. Finanziert wird die Arbeit durch Eigenmittel, Spenden oder durch öffentliche Förderung im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) als anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Die personelle und räumliche Ausstattung ist sehr unterschiedlich und geht von nur teilzeitangestellten Mitarbeitern bis zu großen Teams, von nur einem Kellerraum bis zu einem eigenen Jugendhaus.
Verallgemeinernd lässt sich Folgendes formulieren:

  1. die Arbeit ist an den Interessen der Kinder und Jugendlichen orientiert, d.h., das niedrigschwellige Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche unabhängig ihren Geschlechts, ihrer nationalen, ethnischen, religiösen, jugendkulturellen oder sozialen Herkunft.
  2. Kinder und Jugendliche werden angenommen und akzeptiert, so wie sie sind, d.h., sie werden nicht als "Objekt" eines Versorgungsauftrages angesehen, sondern unterstützt Subjekt zu sein bzw. zu werden. Sie erfahren in der Arbeit persönliche Wertschätzung, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken und um sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und ihrer gesellschaftlichen Teilhabe zu fördern. Jungen und Mädchen werden in gleicher Weise gefördert.
  3. Für die Kinder und Jugendlichen werden Partizipationsmöglichkeiten eröffnet, d.h., in der täglichen Arbeit wird eine Atmosphäre geschaffen, in der sie sich ausprobieren können. Kinder und Jugendliche gestalten ihre Freizeit und ihren Alltag selbst und freiwillig. Eigene Räume können "in Besitz" genommen und entsprechend ihren Fähigkeiten werden die Kinder und Jugendlichen zum Mitentscheiden bzw. Übernehmen von Verantwortung ermutigt, dabei wird ihr soziales und politisches Engagement besonders gefördert.
  4. die Arbeit ist Gemeinwesen- und Werteorientiert, d.h. die Arbeit wird als sozialräumliches Angebot gestaltet und die Kinder und Jugendlichen in ihrer gesamten Lebenswelt wahrgenommen. Die Arbeit ist vernetzt mit Kooperationspartnern im Stadtteil mit dem Ziel des friedlichen Miteinanders. Der christliche Glaube ist ein zentrales sinnstiftendes Angebot.
  5. Professionelles Handeln der MitarbeiterInnen ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Arbeit. Sie gestalten in unterschiedlichen Arbeitsfeldern die Offene /Sozialdiakonische Arbeit. Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem: Arbeit mit Gruppen, Einzelbegleitung, geschlechtsspezifische Arbeit, integrierende Arbeit, erlebnispädagogische und musisch-kulturelle Arbeit, sowie Sport-, Projektarbeit und Freizeitfahrten. Durch qualifizierte MitarbeiterInnen wird ein Ergebnis- und prozessorientiertes Arbeiten (Qualitätsentwicklung) gesichert.

1Landessynode Berlin Brandenburg 4.April 1990
2Rat der EKD 10.10. 1992